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Slow Media: Warum lange Inhalte besser funktionieren

by Samuel Bredl
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In einer Zeit in der alles noch schneller und noch effizienter werden muss, gibt es immer größere Wertschätzung für das Langsame und Einfache. Es werden Schallplatten ausgekramt, man tauscht eine 12 Megapixel Kamera gegen eine alte Leica M6 und Omas alte Möbel sind plötzlich "Vintage". Auch in der Kommunikation gibt es diesen Trend. Während scheinbar alle Tweets, Snaps und WhatsApp Nachrichten senden, sind es vor allem lange Formate (Slow Media), die auf Webseiten gelesen und geteilt werden.  

Jeder große Trend erzeugt auch einen Gegentrend

Nach dem Fast Food, kam die Slow Food Bewegung, nach Vegan kam Paleo und nach den Skaterhosen die Röhrenjeans. Genauso sind längere Formate und reduzierte optische Reize eine Gegenbewegung zur visuellen Reizüberflutung und den schnellen Onlinemedien.

“The fact is that new media, love it or hate it, is never about usability. That’s not its point. It’s usually about getting there first, and changing the media lexicon; it’s about selling us, the consumer, the next big thing, which will be obsolete by the time it hits the stores so that we want the next thing after that. And after that. The only answer? Go Slow." - Elissa Altman

Es ist die Qualität, die bei der Schnelligkeit verloren geht. Die Daily Mail publiziert täglich fast 1200 Artikel, tendenz steigend, aber immer weniger davon wird überprüft.

Lange Inhalte funktionieren (wieder)

Leser schätzen Inhalte mit Qualität. Inhalte die überlegt geschrieben wurden. Von Menschen.

Dass zeigt auch eine Studie der Blogging Plattform Medium:

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Untersucht wurde die durchschnittlichen Verweildauer im Bezug zur Länge des Artikels und die durchschnittliche Zeit, die ein Besucher benötigt um ihn bis zu Ende zu lesen. Laut Ergebnis ist der ideale Blogbeitrag 1.600 Wörter lang, was in etwa eine Lesezeit von 7 Minuten beträgt.

Leseempfehlung: Gibt es die perfekte Blogartikel Länge?

Anleitung zur Content Erstellung

Anforderungen an Slow Media Formate

Auf slow-media.net haben sich Anhänger der Slow Media Bewegung zusammengefunden, um den schnellen Medien den Kampf anzusagen:

“Im zweiten Jahrzehnt wird es weniger darum gehen, neue Technologien zu finden, die das Produzieren von Inhalten noch leichter, schneller und kostengünstiger gestalten. Stattdessen wird es darum gehen, angemessene Reaktionen auf diese Medienrevolution zu entwickeln – sie politisch, kulturell und gesellschaftlich zu integrieren und konstruktiv zu nutzen. “ 

Die wichtigsten Anforderungen für Slow Media Formate:

  • Qualität (Slow Media messen sich selbst in Produktion, Anmutung und Inhalt an hohen Qualitätsmaßstäben und heben sich dadurch von ihren schnellen und kurzlebigen Pendants ab.)
  • Monotasking (Slow Media lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern provozieren die Konzentration der Nutzer.)
  • Slow Media werden empfohlen statt beworben
  • Slow Media sind zeitlos: Slow Media haben eine hohe Lebensdauer und wirken auch nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten noch frisch. Sie verlieren mit der Zeit nicht ihre Qualität, sondern bekommen allenfalls eine Patina, die den gefühlten Wert sogar steigern.
  • Hinter Slow Media stehen echte Menschen. Und das merkt man auch.

Warum diese Formate besser funktionieren

1. Suchmaschinen schätzen Qualität

Lange Inhalte werden nicht nur von den Lesern bevorzugt, sondern auch von den Suchmaschinen. Suchmaschinen achten auf Faktoren wie Verweildauer und Backlinks und belohnen daher lange qualitative Beiträge.

Das zeigt auch eine Studie von serpIQ, bei der das Google Ranking in Hinsicht auf die Länge des Contents untersucht wurde. Die durchschnittliche Länge der Formate in den Top 10 Ergebnissen betrug mehr als 2000 Wörter.

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2. Wir Menschen brauchen Balance

Es geht nicht darum alles langsam zu machen oder alles schnell zu machen, sondern darum einen souveränen Wechsel zwischen An-und Entspannung herzustellen. So beschreibt es auch Carl Honore in seinem Buch In Praise of Slowness: Challenging the Cult of Speed

“Speed can be fun, productive and powerful, and we would be poorer without it. What the world needs, and what the slow movement offers, is a middle path, a recipe for marrying la dolce vita with the dynamism of the information age. The secret is balance: instead of doing everything faster, do everything at the right speed. Sometimes fast. Sometimes slow. Sometimes in between.”

Wenn man so will kann man es mit einer Spritztour mit einem Porsche und einer Fiakerfahrt durch den Wiener Prater vergleichen. Beides hat seine Vorzüge.

Slow Media als neues Geschäftsmodell?

Der Preis von Online-Anzeigen geht runter, während die Nutzung von Ad Blockern steigt. 85% aller Werbeausgaben gehen in den USA an Google oder Facebook. Das Geschäftsmodell der Anzeigen funktioniert nicht mehr. Für Unternehmen und Agenturen wird es immer schwieriger Aufmerksamkeit zu erlangen. Ist Slow Media die Antwort?

Kati Krause, Journalistin und Medienberaterin spricht bei der Media Convention in Berlin über die Möglichkeiten von Slow Media: 


Conclusio

Slow Media ist eine willkommene Antwort auf die schnelle Medien- und Banner-Kultur. Trotzdem sollten Sie Ihre Blogbeiträge jetzt nicht unnötig lang schreiben. Wir sagen immer ein Beitrag sollte so lange sein, wie es braucht um darin das eigentliche Problem zu lösen. Denn darum geht es, hilfreichen Content anbieten der Probleme löst.

Und jetzt nehmen Sie sich doch mal Zeit für Slow Media! Stöbern Sie in Ihren Schallplatten, schreiben Sie einen Brief (einen mit Briefmarke) oder lesen Sie ein Buch (aus Papier ;).

 

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Samuel Bredl

Samuel Bredl

Samuel Bredl hat Publizistik studiert. Für seine Bachelor Arbeit ist er extra nach Sofia geflogen, um den Marketing-Guru David Meerman Scott zu treffen. Auf seiner Website findet man eine lustige Geschichte dazu.

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